Papierauswahl in der Anwaltskanzlei

Sicherlich kann man trefflich darüber streiten, ob ein gedruckter Briefbogen für eine Anwaltskanzlei noch notwendig ist, oder ob ein mit dem Drucker selbst erstellter Ausdruck ausreichend ist. Hier gehen die Meinungen – mit Recht – auseinander.
Das soll auch nicht das Thema des kleinen, nachfolgenden Beitrags sein. Vielmehr geht es um das allgemeine Nutzpapier, also z. B. zweiten Seiten eines mehrseitigen Schreibens, Papiere für Entwürfe oder Fotokopien etc.

Grundsätzliches

Bevor ich näher auf das Papier selbst eingehen möchte, hier einige Zahlen:

In Deutschland werden schätzungsweise jährlich 800.000 Tonnen Büro- und Administrationspapier verbraucht. Jährlich verschwinden Wälder in der Gesamtfläche Englands. (Quelle: Fachhochschule Kiel Papier http://www.fh-kiel.de/index.php?id=13772)

Noch schlimmer ist die Belastung der Umwelt durch Büropapier. Nachfolgend einmal die Belastung für 1.000 Blatt Büropapier im Monat:

Belastung Papier

 

 

 

 

 

Unter http://www.papiernetz.de/ finden Sie einen Nachhaltigkeitsrechner, mit dem Sie die Berechnungen vornehmen können.

Papierart

Jede Anwendung benötigt das dafür vorgesehene Papier. Überwiegend wird auch heute ausschließlich auf den Preis des Papiers geschaut. Dieses ist nicht verwerflich, aber auch solche Dinge, wie Umweltschutz, Verträglichkeit etc. sollten bei der Auswahl des Papiers bedacht werden.

In einer Anwaltskanzlei kommen überwiegend die Anwendungen

  • Fotokopieren
  • Laserdruck
  • Tintenstrahldruck

zur Verwendung. Folglich ist zu prüfen, welche Papierart verwendet werden kann.

Fotokopieren und Laserdruck

Für das Fotokopiergerät oder den Laserdrucker eignen sich neben den unbeschichteten Naturpapieren ebenso Universalpapiere, wie auch Papier mit spezieller Laserdruckbeschichtung. Offsetdruckpapier oder Inkjetpapiersorten sind nicht zu empfehlen, da diese eine absolut andere Zusammensetzung haben und auch im Hinblick auf die beim Druck entstehende Hitze anders reagieren. Papierstaus, Fehldrucke etc. sind bei Nutzung eines solchen Papiers für Fotokopien oder Laserdruck vorprogrammiert.

Tintenstrahldruck

Für den normalen Büroausdruck reicht ein sehr gutes unbeschichtetes Naturpapier. Dieses setzt allerdings voraus, dass die Auflösung nicht zu hoch gewählt ist. Sollen Farb- oder Fotoausdrucke mit erstklassigem Ergebnis gefertigt werden, ist ein spezielles Inkjetpapier unumgänglich. Hintergrund ist hauptsächlich, dass jede Papierart nur eine bestimmte Menge Feuchtigkeit im Rahmen des Druckverfahrens aufnehmen kann. Die bei einem Inkjetpapier vorgenommene Beschichtung verhindert das Eindringen von Mehrmengen, dass Verwellen des Papiers und das Verlaufen. Letzteres kennen Sie wahrscheinlich. Das Schriftbild sieht “ausgefranzt” aus.

Papierstärke

Auch in diesem Punkt kann trefflich gestritten werden. Üblicherweise werden heute Papiere mit einem Gewicht von 80g/m² genutzt. Viele Kanzleien schwören allerdings auf schwereres Papier für die Ausdrucke und nutzen 100g/m²-Papier. Dieses ist eine Geldfrage, vor allem unter Berücksichtigung von Papiermengen für Entwürfe, eine Frage des Portoentgeltes und der Möglichkeit der Fächervielfalt der Drucker oder des Kopierers. Ein weiterer Punkt, der auch von der Papierstärke abhängt ist die sogenannte

Opazität

Gemeint ist hiermit die Höhe der “Undurchsichtigkeit” eines Papieres. Je geringer die Papierstärke und die Opazität eines Papieres ist, um so höher die Durchsichtigkeit. Dieses macht sich vor allem bemerkbar bei einem doppelseitigen Druck. Hier ist neben einem sehr guten Qualitätspapier auch eine hohe Opazität gefordert.

Papierfarbe

Wohl kaum eine unserer Kanzleien in Deutschland wird auf farbigem Papier schreiben. Es herrscht die Farbe “Weiß” vor. Aber “Weiß” ist nicht gleich “Weiß”. Auch hier gibt es erhebliche Unterschiede. Die ISO 2469 und 2470 beschreibt eindeutig die Messung von Helligkeit von Zellstoffen (http://www.iso.org/iso/home/store/catalogue_tc/catalogue_detail.htm?csnumber=38053). Ein weißes Papier wirkt – von handgeschöpftem Papier einmal abgesehen – wertvoller. Der Weißegrad für Büropapier liegt bei 169 CIE und wird als “hochweiß” bezeichnet. Viele von uns erinnern sich noch an die Anfänge des Recyclingpapiers. Es sah grau und billig aus. Heute ist kaum noch ein Unterschied festzustellen.

Aber welches Papier soll genutzt werden?

Wenn alle die oben aufgeführten Punkt geklärt sind, stellt sich die Frage, welches Papier genutzt werden soll? Welche Arten von Unterscheidung gibt es denn nun? Wie immer, gibt es natürlich auch für dieses Material ein Siegel, eigentlich eine Vielzahl von Siegeln. Gehen wir doch einmal kurz darauf ein:

Quelle: http://www.fsc-deutschland.de/

FSC Mix

FSC Mix

 

 

 

 

 

Das Mix-Label steht für Produkte, die eine Materialkombination aus FSC-zertifizierten Wäldern, FSC Controlled Wood oder FSC-Recyclingmaterial beinhalten. Die Möbiusschleife kann im Label den Anteil an Recyclingmaterial anzeigen.
Der Label-Text lautet: „(Produkttyp) aus verantwortungsvollen Quellen“.

FSC 100%

FSC 100

 

 

 

 

 

Das 100% Label steht für Produkte, die 100% Material aus FSC-zertifizierten Wäldern enthalten. Dieses Label kommt aus produktionstechnischen Gründen bei Papier/Pappe/Karton und Holzwerkstoffen sehr selten vor.
Der Label-Text lautet: „(Produkttyp) aus vorbildlich bewirtschafteten Wäldern“.

FSC Recycled

FSC recycled

 

 

 

 

 

Das Recycling-Label steht für Produkte, die ausschließlich Recyclingmaterial beinhalten.
Der Label-Text lautet: „(Produkttyp) aus Recyclingmaterial.“

Quelle: http://www.fsc-deutschland.de/das-label.130.htm

Keines der FSC-Zeichen bezieht sich auf den Herstellungsprozess oder den Gesundheitsschutz. Waldschutz wird nur bei FSC-100% und FSC-Recycled gewährleistet. Die FSC-Siegel stehen NICHT für die Verwendung von Altpapier. Ressourcenschonend ist nur das mit „FSC-Recycled“ gekennzeichnete Papier – dieses ist eingeschränkt empfehlenswert. FSC Mix sollte auf keinen Fall gekauft werden.
Quelle: Fachhochschule Kiel Papier http://www.fh-kiel.de/index.php?id=13772

Blauer Engel RAL-UZ 14 (Recyclingpapier)

Blauer Engel

 

 

 

 

 

 

Der Blaue Engel steht für höchste ökologische Standards. Er garantiert die Verwendung von 100 Prozent Altpapier, eine umweltfreundliche Herstellung sowie die Erfüllung höchster Qualitätskriterien. Es ist somit das anspruchsvollste Umweltzeichen für Papier.
Quelle: http://www.ceos-pro-recyclingpapier.de/ceos/

Fazit

Papier ist nicht Papier. Auch beim Einkauf von Kopierpapier sollten zusätzlich die Kriterien

  • Verwendungszweck
  • Qualität
  • Umweltschutz

beachtet werden, damit der Einkauf nicht nur billig, sondern auch preiswert wird.

 

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